Kinderbetreuung braucht Anerkennung

Die Zeichen verdichten sich – auch wenn die Urabstimmung über einen unbefristeten Erzwingungsstreik der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst noch läuft, steht das Ergebnis doch eigentlich fest. Die Arbeitnehmerinnen werden sich für die Arbeitsniederlegung aussprechen und so kommt es, dass ab Ende dieser Woche die Kitas für eine Weile geschlossen bleiben. Gerüchten zufolge wird es in meiner Region wohl vor allen Dingen am Freitag, Montag und am Dienstag zum Betreuungsausfall kommen. Die Reaktionen darauf sind gemischt: Viele Eltern sind entsetzt und wütend darüber, andere jedoch haben Verständnis, weil sie einsehen, dass die Menschen, die täglich ihre Kinder betreuen, mehr verdienen als das, was ihnen derzeit zusteht.
Nicht hilfreich in dieser Debatte sind willkürlich in den Raum geworfene Zahlen, die das durchschnittliche Einkommen von Erzieherinnen darstellen sollen. Aus irgendeinem Grund, an dem meiner Beobachtung nach die Gewerkschaften nicht unschuldig sind, stehen 2900 Euro als monatliches Durchschnittsgehalt im Raum. Dazu wird jedoch selten erwähnt, dass es sich dabei um das zu erwartende Vollzeitgehalt nach etwa acht Berufsjahren handelt und dass Erzieherinnen eher selten auf Vollzeitstellen arbeiten.
Derzeit kommt es mir so vor, als spalte der bevorstehende Streik der Erzieherinnen die Eltern dieses Landes und das ist schade, denn eigentlich sollten wir zusammenstehen. Ich weiß, dass es schwer ist, schwer für die, die einfach auf die tägliche Betreuung angewiesen sind, weil sie niemanden anderen haben. Ich weiß, dass es immer leichter ist, wenn man Oma, Opa, Partner oder tolerante Vorgesetzte im Hintergrund weiß, aber letztlich haben wir alle viel gemeinsam. Wir sorgen für Kinder – wir Eltern machen es täglich, sei es neben einem Vollzeitjob, sei es als Vollzeitjob, sei es nachmittags nach der ersten Schicht und wir tun es noch nachts, wenn andere schlafen. Die Erzieherinnen machen es beruflich, von sieben bis siebzehn Uhr, aber oft auch noch länger, in der Teamsitzung, in der Supervision, bei Elternabenden, im Elterncafé, bei gemeinsamen Feiern am Wochenende oder am Abend. Sie geben alles für uns und unsere Kinder. Sie schaffen kleinen Menschen ein Stück Geborgenheit, wenn wir Geld verdienen müssen. Sie tragen weinende Babys durch die Gegend und bringen wissbegierigen Sechsjährigen die ersten Buchstaben bei, sie gehen dazwischen, wenn wutgeladene Dreijährige mit Schaufeln aufeinander losgehen und begeistern immer wieder mit tollen und kreativen Ideen. Ihre Expertise ist gefragt, wenn es einmal nicht läuft. Wenn offensichtlich ist, dass ein Kind Probleme hat, wenn Eltern nicht mehr weiter wissen oder ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr nachkommen können.
Gemeinsam haben wir auch, dass unser Engagement für unsere Kinder nicht wertgeschätzt wird. Die Arbeit der Eltern nicht, sonst könnten wir uns Begriffe wie Herdprämie, Verdummungsgeld, Biedermeier oder Latte Macchiato-Mütter sparen. Die Arbeit der Erzieherinnen auch nicht, haftet ihnen doch häufig noch das Image von kaffeetrinkenden Basteltanten an. Doch die Erzieherinnen halten nun dagegen – sie fordern die Wertschätzung ein, die sie verdienen und tun dies, indem sie das haben wollen, was in unserer Gesellschaft gemein hin Wertschätzung ausdrückt – Geld. Sie wollen nicht nur diejenigen sein, denen Eltern ihre größten Schätze anvertrauen und die einen großen Anteil an der Zukunft unseres Landes haben, sondern sie wollen auch so bezahlt werden. Das ist ihr gutes Recht. Die Erzieherinnen möchten sich nicht mehr länger hinhalten lassen. Sie möchten sich nicht mehr mit netten Worten besänftigen lassen und weiterhin tragender Teil der deutschen Vereinbarkeitslüge bleiben, sie machen nicht mehr mit.
Vielleicht sollten wir als Eltern diesem Beispiel folgen und ebenfalls mehr Anerkennung einfordern und zwar auf dem Weg, der am besten zu unserer jeweiligen Lebenssituation passt. Sei es, indem wir bei unseren Vorgesetzten Rücksicht auf unser Familienleben einfordern, sei es, indem wir aus dem Hamsterrad für eine Weile aussteigen oder indem wir ebenfalls um finanzielle Anerkennung dafür kämpfen, dass wir die zukünftigen Rentenzahler ins Leben begleiten.

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