Blumen sind nicht genug

Am letzten Sonntag war mal wieder Muttertag und wie jedes Jahr standen auch dieses Jahr in vielen deutschen Haushalten frische Blumen auf dem Tisch. Eine schöne Tradition, die gerade bei kleinen Kindern diese mehr erfreut, als die Mütter selbst – weil sie gern schenken, kleine Geheimnisse lieben, und weil sie stolz daheim präsentieren, was sie im Kindergarten für diesen Tag gebastelt haben.
Für viele Mütter ist dies jedoch ein zwiespältiger Tag. Denn was nützt der schönste Blumenstrauß, wenn die Arbeit, die sie tagein tagaus in ihrer Familie erledigen den Rest des Jahres nicht wertgeschätzt wird?
Ausgerechnet die FDP nahm dies zum Anlass, um im nordrheinwestfälischen Landtag eine größere Anerkennung für Mütter zu fordern. Konzepte, wie diese aussehen soll, hatte dort allerdings niemand. Immerhin, abgesehen von einigen intelligenzbefreiten Mutterkreuz-Zwischenrufen, waren sich alle Fraktionen einig, dass Erziehungsarbeit, egal ob von Vätern oder Müttern geleistet, mehr Anerkennung verdient hätte.
Dass theoretisch jeder ihre Leistung wertschätzt, sie aber bitteschön niemanden etwas kosten soll, dieses Los teilen sich Eltern übrigens mit den Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Dennoch empören sich viele dieser Eltern gerade jetzt sehr darüber, dass die Erzieherinnen ihrer Kinder diese kostspielige Wertschätzung nun einfordern. Diesen Job mache man doch aus Idealismus, kann man in sozialen Netzwerken lesen, Kinderlachen gäbe doch eine Menge zurück und so niedrig sei das Gehalt ja nun auch nicht. Nun ja – Idealismus kann man leider nicht essen, er wärmt das Haus nicht, er schickt einen nicht in den Urlaub und kauft den eigenen Kindern keine neue Kleidung – dafür braucht man in unserer Gesellschaft Geld. Dann sollten sich die Erzieherinnen doch einen anderen Job suchen, wenn ihnen die Bezahlung zu gering sei, wabert ebenfalls als Gegenargument zum Streik durch die Elterndiskussionen. Dieses Argument halte ich für sehr gefährlich – denn anscheinend haben diejenigen, die es benutzen nicht zu Ende gedacht, was passiert, wenn die Erzieherinnen sie beim Wort nehmen.

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One thought on “Blumen sind nicht genug

  1. Ich finde es eine Frechheit, wenn gesagt wird, wir Pädagogen sollen unsere Berufung aufgeben, wenn wir mehr Geld verdienen wollen. Das kann doch nur von Menschen kommen, die nicht wissen wie es ist, sein Herz und seine Leidenschaft in den Beruf zu legen. In meinem Blogpost zur Aufwertung von sozialen Berufen habe ich bereits festgestellt dass Burnout und sekundäre Traumatisierungen scheinbar als Berufsrisiko toleriert werden müssen. Ist es tatsächlich so schwer das Bild des kaffeetrinkenden Pädagogen mit Bio-Schlappen abzulegen? Meint ihr die Krankenschwester ist so ein Gutmensch, dass sie ihre Kinder vom Lächeln ihrer Patienten ernähren kann? “[…]Die Flashbacks die er hat zwingen ihn zu Impulsdurchbrüchen. Er denkt nicht mehr. Er reagiert nur noch. Er schlägt um sich, trifft andere Kinder, Erzieher und auch sich selbst. Im nächsten Moment ziehe ich ihn vom Fenster weg, aus dem er sich stürzen möchte.[…]” Über die Traumatisierung als Berufsrisiko, warum ich gar nicht mehr Geld verdienen muss und über die Aufwertung von sozialen Berufen.

    http://www.mamagogik.de/die-brotlose-kunst-der-sozialen-berufe/

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