An den Tisch mit euch

Am Montag wird im Tarifkonflikt im Sozial- und Erziehungsdienst endlich wieder verhandelt. Die Arbeitgeberseite hat sich auf ein Angebot verständigt und zu Verhandlungen eingeladen. Verdi hat angenommen und seinerseits bereits am Montag nach Berlin eingeladen.
Es zeichnet sich also Entspannung ab, in einem Konflikt, der die letzten Wochen alle an der Basis Beteiligten an die Rande ihrer nervlichen Belastbarkeit gebracht hat. Das in der Presse oft beschriebene positive Bild der Elternsolidarität mit den streikenden Erzieherinnen hat sich vielerorts so nicht wirklich zugetragen. Im Gegenteil: In den letzten Wochen ist eine Menge Porzellan zerschlagen worden – zwischen Eltern und Kitapersonal, aber auch zwischen Eltern untereinander, der #prokitastreik Fraktion und den Streikgegnern. Zum Teil sind Gräben entstanden, die sich nicht so einfach wieder zuschütten lassen, wenn die Kitas erst einmal wieder regulär geöffnet sind.
Eigentlich sollte aber gerade in den letzten Wochen klar geworden sein, wie wichtig es ist, an einem Strang zu ziehen und wie sehr es sowohl Eltern, als auch pädagogisches Personal braucht, um unsere Kinder zu begleiten. Wie immer, wenn sich Bezugspersonen von Kindern nicht einig sind, leiden die Falschen – die Kinder, die für die wir doch alle nur das Beste wollen.
Deshalb kommt heute von mir auch kein Statement, keine Positionierung, keine lang ausformulierte Begründung dafür, warum was gerade jetzt irgendwie nötig ist. Es kommt nur ein Aufruf: an den Tisch mit euch, liebe Arbeitgeber und Gewerkschaften – findet eine Lösung, mit der alle Leben können und beendet diesen unwürdigen Konflikt. An den Tisch mit euch, liebe Eltern und liebes Kitapersonal – klärt eure Konflikte, eure Kinder brauchen euch beide und ihr müsst euch wieder vertrauen. An den Tisch mit euch, liebe Eltern untereinander – ihr sitzt alle im gleichen Boot, hattet ihr nicht beim letzten Laternenumzug noch gemeinsam Pippi in den Augen, als eure Kinder rabimmel rabammel rabum gesungen haben? Wollt ihr eure Kinder nicht nächste Woche gern wieder bei Freundin X oder Freund Y abholen können, ohne dass ihr euch schämen müsst, einander zu begegnen? Zu guter Letzt – haben wir nicht alle irgendwie eine Vorbildfunktion unseren Kindern gegenüber? Was sollen sie von uns denn lernen, über den Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten, wenn wir das jetzt nicht geregelt kriegen?
An den Tisch mit euch, damit wir uns irgendwann wieder gemeinsam um die wirklich drängenden Probleme in der Unvereinbarkeitsrepublik kümmern können.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s