24 Stunden flexibel

Manuela Schwesig kann einem eigentlich leid tun. Seit sie Familienministerin ist, bohrt sie ein dickes Brett nach dem anderen – und steht trotzdem unter Dauerbeschuss. Ein Los, dass sie allerdings mit ihren Vorgängerinnen v.d.Leyen und Schröder teilt. Es wäre einen eigenen Beitrag wert, den Gründen nachzugehen, warum es gerade Familienministerinnen in Deutschland so wahnsinnig schwer haben.

Nun hat Schwesig wieder etwas auf den Tisch gebracht, was auf den ersten Blick sinnvoll und nötig ist. Sie möchte Geld für Kitas bereit stellen, die 24 Stunden und 356 Tage im Jahr geöffnet haben sollten. Es scheint eine große Erleichterung zu sein, insbesondere für Alleinerziehende im Schichtdienst. Dennoch hagelt es von allen Seiten Kritik für diese Maßnahme. Vertreterinnen der rechts-konservativen Ecke bezeichneten sie gar als Margot Honnecker 2.0. Doch auch aus Elternkreisen, die man normal eher links von der Mitte vermutet, kommen nicht gerade Begeisterungsrufe.

Dies hat durchaus nachvollziehbare Gründe. Zum einen sind Kitas mit solch flexiblen Öffnungszeiten pädagogisch äußert fragwürdig. Schaut man sich die vielerorts fehlende Qualität in der Kinderbetreuung an, muss man sich schon fragen, wie ein anspruchsvolles Angebot wie eine 24-Stunden Kita so ausgestaltet werden soll, dass es kindlichen Bedürfnissen tatsächlich entgegen kommt.

Zum anderen aber scheint dieser Vorstoß vor allem eins zu sein: Arbeitgeberfreundlich. Dieser muss sich nämlich fortan keinerlei Gedanken mehr über familienfreundliche Dienstpläne machen. Das, was viele Eltern eigentlich wollen, nämlich eine Vereinbarkeit, die ihnen genügend Raum für Familie lässt, wird nicht damit erreicht, dass man sie scheinbar völlig für den Arbeitsmarkt flexibilisiert. Die Einrichtung einer 24-Stunden Kita ist kein Geschenk an Familien – und auch nicht an Alleinerziehende im Schichtdienst, auch wenn dies immer behauptet wird. Im Gegenteil, denn diese können nun nicht mehr erwarten, dass der Dienstplan ihnen entgegen kommt. Wollte man Alleinerziehenden wirklich helfen, könnte man das Geld nehmen, um eine Nanny zu bezahlen, die während elterlicher Nachtdienste nach Hause kommt. Würde man Familien helfen wollen, würde man Arbeitgeber anhalten, Dienstpläne zu machen, die denen entgegen kommen, so wie es vielerorts derzeit bereits gezwungenermaßen passiert.

Manuela Schwesig ist die Frau der dicken Bretter – ich hoffe sie setzt dieses Geschick demnächst auch einmal ein, um die Holzköpfe zu zerboren, die in Deutschlands Wirtschaft den Ton angeben. Sie sollte ihre Energie dafür einsetzen, einen wirklich familienfreundlichen Arbeitsmarkt zu schaffen und keine arbeitsmarktfreundlichen Familien. Über sie meckern würden dann noch immer viele, das hat hier in Deutschland eine ähnlich feste Tradition, wie die Präsenzkultur, aber sie hätte damit tatsächlich etwas für Kinder getan und die sind schließlich die Historiker von morgen, die ihr Schaffen rückwirkend bewerten werden.

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