Die Kinder dieser Welt

Bei manchen Themen finde ich es schlicht zum Kotzen, dass ich darüber schreiben muss. Nicht, weil ich keine Lust hätte, darüber zu bloggen, sondern weil es mich ärgert, dass es ein Thema ist. Aber ich komme nicht drum herum. Seit ich über Twitter von der Aktion #bloggerfuerfluechtlinge von Paul Huizing und anderen erfahren habe, möchte ich mich daran beteiligen, durch eine Geldspende, aber auch mit einem eigenen Artikel.

Nur, was soll ich schreiben zu diesem Thema? Denn eigentlich fehlen mir die Worte, um das Leid und das Elend zu beschreiben, wenn wir dieser Tage die Bilder von Menschen sehen, die unter unwürdigsten Bedingungen ihren Weg zu uns gefunden haben. Mir fehlen die Worte für die empathielosen Drecksäcke, die sich als “besorgte Bürger” ausgeben, aber niemandem erklären können, was genau sie eigentlich “besorgt”. “Sorgen” sollten sie sich höchstens um unsere Welt, in der Menschen einander unbeschreibliches Leid zufügen – und dann sollten sie ihre Arme aufmachen, weit auf, so weit sie können und diejenigen beschützen, die hierher geflohen sind, vor unendlichem Schrecken in ihrer Heimat. Sie sollten ihre überschüssige Kraft dazu gebrauchen, um zu helfen. Sie sollten die Ärmel hochkrempeln und Kisten schleppen, Möbel oder was sonst noch gebraucht werden kann, um die Bedingungen in den überfüllten Lagern, Heimen und Turnhallen wenigstens etwas lebenswerter und netter zu machen. In der Zeit, in der sie sich Unsinn ausdenken, sollten sie sich lieber überlegen, wie sie helfen können. Stattdessen stehen sie pöbelnd und rotzig vor den Unterkünften und ängstigen Menschen, die sich nach einer langen Odysee eigentlich endlich sicher fühlen sollten. Das ist an Widerwertigkeit nicht zu überbieten. Nein, dazu fällt mir nicht viel ein. Einige Bloggerkolleginnen und -kollegen haben bereits Worte gefunden, die mir gefallen haben, ich werde einige Links weiter unten teilen. Ein Gedanke, der mir am besten gefallen hat war der, dass niemandem in diesem Land irgendetwas zusteht, zumindest nicht mehr, als eine faire Chance. Denn dieses Argument entkräftet die wirren Ängste, dass Flüchtlinge irgendjemandem irgendetwas wegnehmen würden. Sie können uns nichts wegnehmen, denn uns steht nichts zu. Wir haben kein Recht auf was auch immer. Wir haben nur Glück, dass wir in einem Land geboren wurden, in dem jeder eine faire Chance auf eine freie Lebensgestaltung hat, und dieses Glück, dieses Privileg, das sollen wir nun teilen – wenn es weiter nichts ist …

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Mein eigener Beitrag zur Situation der Flüchtlinge ist minimal. Er erstreckt sich auf ein paar Kisten Kinder- und Umstandsklamotten sowie etwas Spielzeug. Das ist nichts, was der Rede wert ist.

Doch eine Sache gibt es dann doch, die ich erzählenswert und bemerkenswert finde. Als ich kurz vor Weihnachten die erste Kiste Babysachen packte, um sie in ein nahegelegenes Flüchtlingsheim zu bringen, erklärte ich auch unseren Kindern, was es damit auf sich hat. Sofort gingen sie ihrerseits auf den Dachboden und wühlten in alten Spielzeugkisten und entschieden, was ich weggeben durfte und was nicht. So weit so gut. Am Abend stand dann meine vierjährige Tochter mit nachdenklichem Gesicht neben mir und fragte mich: “Mama, meinst du, da gibt es auch ein Mädchen, das gar keine Puppe hat?” Ich sagte sowas in der Art, dass das schon vorstellbar wäre. Daraufhin nahm sie eine ihrer Babypuppen, kleidete diese an und legte sie zu unseren aussortierten Sachen. Auch mein Hinweis, dass diese Puppe dann wirklich weg sei und jemandem anders gehören würde, hielt sie nicht davon ab – sie war fest entschlossen, eine ihrer Puppen abzugeben, weil sie die Vorstellung, dass irgendwo ein Mädchen ohne Puppe leben müsste, allzu traurig fand.

Ich bin mir sicher – kleinere und größere Geschichten dieser Art haben sich in den vergangenen Monaten nicht nur bei mir zu Hause abgespielt, sondern in vielen Haushalten – denn es sind die Kinder, die wirklich in der Lage sind, miteinander mitzufühlen. Unsere Kinder haben etwas, das uns meist schon abhanden gekommen ist. Sie können mitfühlen, ohne in alles erschlagende Hilflosigkeit zu verfallen. Unsere Kinder fragen nicht, ob ihre eine Puppe, ihr eines Puzzel oder das eine Auto vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind – sie glauben an die große Wirkung ihrer Taten. Unsere Kinder haben keine Vorurteile oder Ängste.

Die Kinder sind es, die uns hoffen lassen können, dass nicht alles irgendwann dem Wahnsinn anheim fällt, sondern dass alles irgendwie gut wird – wenn wir sie lassen und wenn wir sie nicht zu kleinen, vorurteilsgeplagten Egoisten erziehen – und wenn wir ihnen den Glauben lassen, etwas bewirken zu können, egal wie klein das ist, was sie tun.

Ein Kind aus dem Bloggeruniversum, das für mich für diese Hoffnung steht, soll hier exemplarisch erwähnt werden, es ist der Sohn von Daily Pia, der vor einigen Jahren Schuhspenden für Kinder in Afghanistan initiierte. Im Zusammenhang mit diesem Projekt fiel der wunderschöne Satz:

Es ist wichtig und schön, dass sich die Kinder unserer Welt umeinander sorgen und kümmern!

Genau so ist ist – deshalb sollten wir auch dafür Sorge tragen, dass sie dies auch weiterhin tun wollen und können. Es ist an uns, unsere Kinder zu weltoffenen Menschen zu erziehen und ihnen vorzuleben, dass kein Beitrag zu klein und keine Idee zu unbedeutend ist – am Beispiel von Pias Sohn sieht man ja, was daraus werden kann.

Das war mein kleiner Beitrag zur Flüchtlingsdebatte. Viel mehr weiß ich nicht zu sagen, aber ich möchte euch, wie versprochen, noch ein paar Anregungen zum Weiterlesen geben.

Da hätten wir einmal die wunderbare Frau Smoorbaer mit einem unglaublich bewegenden Beitrag.

Dann haben wir Karla Paul, eine der Mit-Initiatorinnen, die auf ihrem Blog auch noch einmal erklärt, worum es eigentlich geht.

Für Harry Potter Fans und alle anderen hat der Buchblog um die Ecke einen wunderbaren Beitrag verfasst.

Gluckeundso nimmt uns auf ihrem Blog mit auf eine beklemmende und beängstigende Traumreise.

Terrorpüppi sprengt den Rahmen der Themenwoche Reisen mit ihrem lesenswerten Beitrag.

Das war jetzt nur ein kleine Auswahl von vielen, wundervollen Beiträgen. Wenn ihr nach dem Hashtag sucht, findet ihr mehr.

Am Schluss schicke ich euch noch den Link zur Spendenaktion. Ich habe mitgemacht und würde mich freuen, wenn ihr euch auch beteiligt. Macht mit und erzählt es weiter!

 

 

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