[Gastbeitrag] “Nicht nur funktionieren müssen”

Der erste Gastbeitrag kommt heute von Kathi. Sie nimmt uns mit nach Österreich und gewährt uns einen kleinen Einblick in ihr Lebensmodell. Vielen Dank Kathi und los geht’s.

Die Ausgangslage
Ich bin Juristin und Psychotherapeutin, und lebe mit meinem Mann und unseren zwei Kindern in Graz. Mit damals nur einem Kind arbeitete ich 30 Stunden in einer Opferschutzeinrichtung und absolvierte die Ausbildung zur Psychotherapeutin. Mein Mann arbeitet 40,5 Wochenstunden. Unsere Familien sind wegen der großen Entfernung im Alltag nicht verfügbar. Deswegen haben wir seit dem Ende meiner ersten Karenzzeit eine Tagesmutter, die wir je nach Kindesalter bzw. beruflichem Bedarf buchen. Die Wochenenden, an denen ich Seminare besuchte, deckte mein Mann ab.
Jonglieren und Vernetzen
NachbarInnen, FreundInnen, Babysitterinnen, kib (kib.or.at – betreuen kranken Kinder). Ohne Familie im Umfeld organisiert man sich zwangsläufig gut, weil es vorkommt, dass beide Eltern einen wichtigen Termin haben, die Tagesmutter in Krankenstand geht oder das Kind krank ist.
Ganz schlimm war das erste Kindergartenjahr, wo wir Dauerkunden von kib waren. Wir als Eltern organisierten im Krankheitsfall unsere Arbeit um, um die ersten wilden Fiebertage zu überstehen, dann übernahm eine Betreuerin von kib. Da die Kinderärztin das ständige Kranksein irgendwann zu viel fand, schickten wir unsere Tochter zu den Großeltern, wo sie zwei Wochen blieb um keinen stressigen Alltag (obwohl sie den Kindergarten sehr mochte!) zu haben, sondern einfach gehätschelt und verwöhnt wurde.
Ebenso schlimm waren zwei wochenlange Krankenstände der Tagesmutter, wo unsere damals Zweijährige sich ohne Eingewöhnung auf eine Ersatztagesmutter umstellen musste. Trotz allem finde ich unsere Tagesmutterbetreuung adäquater als eine Krippenbetreuung (Betreuungsschlüssel, Gegebenheiten bei „unserer“ Tagesmutter) und würde wieder so wählen.
Fazit
– Es war für uns eine große Herausforderung, und zwar für uns Eltern, aber auch für unsere ältere Tochter. Ich möchte nicht, dass meine Kinder immer funktionieren müssen, ohne Pause, und sich dann sogar noch im Krankheitsfall auf eine neue Person einstellen müssen. Ich möchte ihnen ein kuscheliges Daheim bieten und, falls ich trotz Krankheit arbeiten muss, kann es gerne auch einmal eine Fremdbetreuung sein, aber nicht für 35 Wochenstunden.
– Wenn ich wählen kann, entscheide ich mich für ein Leben ohne jahrelangen Zeitmangel.
– Ich bin als Vollzeitmutter nicht so glücklich, sondern habe ganz gern auch noch eine Arbeit außer Haus. „Karriere“ im herkömmlichen Sinn ist mir nicht wichtig. Eine anspruchsvolle Arbeit habe ich und damit bin ich sehr zufrieden, zumal ich sie vom Stundenausmaß gut steuern kann.

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