[Gastbeitrag] Frau, Ehefrau mit Uniabschluss sucht…

Mein nächster Gastbeitrag kommt von Sylvia. Sylvia ist 32 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern (9 und 3 Jahre alt). Sie lebt mit ihrem Mann in Leipzig und ist Hausfrau in Vollzeit.

Frau, Ehefrau, Mama mit Uniabschluss sucht Job in Teilzeit. Möglichst vormittags und mit freier Zeiteinteilung.

Seien wir mal ehrlich, welcher Arbeitgeber schreit bei diesem Profil „Hier“?
Keiner.

Von den vollberufstätigen Müttern aus dem Bekanntenkreis kriegt man dann gesagt, dass man zu viele Ansprüche stellt und sie erzählen stolz, dass sie es ja auch schaffen Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Früher habe ich mich dann tagelang im Gedanken mit ihren Argumenten auseinandergesetzt und mich gefragt, warum es mir denn nicht gelingt einen Einstieg ist Berufsleben zu finden. Heute mache ich mir oftmals den Spaß ihre Argumente schon während des Gesprächs auseinanderzunehmen.

Denn in Wahrheit ist es doch so: Hinter nahezu jeder erfolgreich vollberufstätigen Mutter steht ein großes Netzwerk aus Familie, Freunden und / oder Kinderfrauen bzw. Babysittern. Der Stereotyp dabei ist oft: Ein Kind, welches ganztagsbetreut wird, anschließend von Oma, Opa oder Freundin abgeholt wird und abends für eine halbe Stunde mit Mama spielen darf. Die Frage, die sich mir dabei oft stellt: Ist dieses Modell, welches von der Familienministerin so gerne propagiert wird, wirklich optimal für die kindliche Entwicklung?

Eltern hasten in den Kindergarten oder die Schule, arbeiten anschließend bis zur Erschöpfung und haben dadurch kaum Zeit für und mit ihren Kindern. Das traditionelle Modell der Mutter und Hausfrau ist hingegen gesellschaftlich nicht mehr anerkannt, gilt als spießig und überholt. Frauen sollen heute möglichst viele Kinder bekommen, um den demographischen Wandel einzuläuten und dabei trotzdem vollberufstätig sein, um dem feministischen Ideal der Selbstbestimmung zu entsprechen und ihren Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes zu leisten. Gerne wird uns Frauen suggeriert, dass dies doch machbar ist und gar kein Problem darstellt. Wenn aber die beruflichen Termine der Eltern mit dem masernerkrankten Kind kollidieren, der Chef dafür gar kein Verständnis zeigt und Oma und Opa nicht aushelfen können, fällt das mühsam errichtete Kartenhaus schneller zusammen als man glaubt. Vollberufstätige Mütter antworten hier gerne: „Ja, klar solche Phasen sind anstrengend, aber irgendwie haben wir das immer hinbekommen.“ Und genau da liegt doch der Knackpunkt! Irgendwie!

Ich war auch einmal eine solche Mutter. Meine älteste Tochter bekam ich mit 22 Jahren. Ich hatte gerade meine Zwischenprüfung hinter mich gebracht und hatte mir fest vorgenommen meinem Ideal der guten Mutter und meinem Studium gleichermaßen gerecht zu werden. Auf meinen Mann als Unterstützungsfaktor konnte ich damals nicht bauen. Dieser versuchte gerade seine militärische Karriere voranzutreiben. Oma und Opa? Auch Fehlanzeige. Sie freuten sich zwar sehr aufs erste Enkelkind, aber die erhoffte Unterstützung blieb leider aus. Trotzdem gelang es mir, mit Hilfe eines großen sozialen Netzwerkes mein Studium abzuschließen. Meine Tochter schlief schon mit unter zwei Jahren bei Freunden – weil es nicht anders ging. Sie wurde immer wieder von wechselnden Personen betreut, weil es nicht anders ging.

Aber warum ging es nicht anders? Weil ich versuchte dem gesellschaftlichen Ideal der berufstätigen Mutter zu entsprechen? Meine Große funktionierte, weil sie es musste… Aber müssen Kinder funktionieren? Ist es nicht viel wichtiger, dass wir Mütter / Eltern unseren Kindern Zeit schenken, damit sie sich ohne Druck entwickeln können?

Kinder brauchen Zeit. Das ist mir heute klar. Sie brauchen keine Helicopter-Mom, die sie ständig umkreist, aber sie brauchen einen Heimathafen. Einen Ort, an dem sie sich geborgen fühlen und Eltern, die die Feinfühligkeit besitzen, genau im richtigen Moment die richtigen Fragen zu stellen, das offene Ohr anzubieten und die Arme für eine Umarmung zu öffnen.

Vielen berufstätigen Müttern gelingt es jedoch nicht ihren Kindern die nötige Zeit zu schenken. Der Berufsalltag ist so stressig, dass das Zeitdefizit gerne durch materielle Kleinigkeiten ersetzt wird. Ihnen ist es sogar bewusst, aber den Absprung aus diesem Hamsterrad zu schaffen, fällt den meisten nicht leicht.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich propagiere nicht, dass Mütter nicht berufstätig sein sollen.

Mir geht es viel mehr darum, dass sich die Zahl der Geburten sicherlich nicht nur durch den Ausbau von Krippen- und Kindergartenplätzen steigern lässt, sondern, dass auch die Arbeitswelt sich auf Eltern einstellen muss. Dies ist bisher jedoch nicht geschehen. Viele Mütter und Väter fühlen sich beruflich so unter Druck, dass die Kinder zwangsläufig eher eine Nebenrolle spielen. Hier muss sich noch einiges ändern. Flexiblere Arbeitszeiten, Teilzeitmöglichkeiten die an die Bedürfnisse der Eltern angepasst sind, sind hier als Maßnahmen zu nennen, die die Wirtschaft umsetzen kann. Aber auch gesellschaftlich muss ein Wandel geschehen. Die Anerkennung der Familienarbeit, die zu meist von Frauen geleistet wird, ist noch nicht auf dem Niveau, wie es sein könnte. Eltern müssen eine wirkliche Wahlmöglichkeit haben, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Meist sind es jedoch äußere Zwänge, die den weiteren Weg festlegen.

Ich selbst habe mich irgendwann von diesem gesellschaftlichen Druck eine gute berufstätige Mutter zu sein, gelöst. Die Arbeitswelt konnte mir nicht die flexiblen Bedingungen bieten, die ich benötigt hätte. So bin ich also nun „nur Hausfrau“ und werde sicherlich auch nicht mehr den Einstieg in meinen erlernten Beruf finden. Andere berufliche Wege, die einer nicht so hohen Qualifizierung bedürfen, stehen mir sicherlich noch offen, aber im Moment bin ich mit meinem Leben so zufrieden, wie es ist. Meine Kinder brauchen mich und ich bin gerne für sie da. Ich habe meine Kinder nicht bekommen, um ihr Aufwachsen nur am Rande mitzubekommen.

Deshalb fühlt es sich gut an – so wie es gerade ist.

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3 thoughts on “[Gastbeitrag] Frau, Ehefrau mit Uniabschluss sucht…

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