[Gastbeitrag] Vier Kinder, Bergbauernhof und alle Varianten

Ich freue mich sehr über meinen heutigen Gastbeitrag. Wir schauen mal wieder über den Tellerrand zu unseren Nachbarn nach Österreich. Meine Gastautorin Maria beschreibt sich und ihren Mann als
Elternpaar mit vier Kindern, Bergbauernhof – gefühlt zumindest “alle Varianten” ausprobiert 🙂
Und hier kommt ihr bisheriger Weg
ANFANGS…
Wir haben uns während des Studiums kennengelernt, wobei ich das Studium berufsbegleitend absolviert habe (Multitasking war schon damals gefragt). Im letzten Studienjahr wurde unsere Älteste geboren – nach dem gesetzlichen Mutterschutz habe ich weiter gearbeitet (allerdings in reduziertem Stundenausmaß) und das Studium abgeschlossen, mein Mann ebenfalls. Kinderbetreuung haben wir uns aufgeteilt, in den ersten paar Lebensmonaten habe ich sie oft zur Uni mitgenommen (als sie dann nicht mehr so viel schlief, ging das nicht mehr). Ansonsten half mein frisch pensionierter Vater (v.a. während meiner Arbeitszeit – ich unterrichtete damals) und genoss die Zeit mit seiner ersten Enkelin 🙂
NEUBEGINN
Nach Studienabschluss beschlossen wir, hierher auf den Bergbauernhof meiner verstorbenen Großeltern zu ziehen. Anderes Bundesland. Keine Familie in der Nähe. Kein Freundeskreis. Neue Arbeitsverhältnisse. Neue Wohnverhältnisse.
Mein Mann arbeitete Vollzeit, ich Teilzeit. Unsere Älteste war an drei Vormittagen in einer Spielgruppe. Das hat gut funktioniert.
DER SPRUNG VON EINEM AUF DREI KINDER
Unsere Zwillinge wurden geboren. Mein Mann war immer noch vollzeitbeschäftigt, ich – via homeoffice – Teilzeit. Das war einerseits finanziell wichtig, andererseits auch nicht schwierig, weil mein Arbeitgeber sehr interessiert daran war, mich als Mitarbeiterin zu behalten. Freie Zeiteinteilung war da kein Problem. Als die Zwillinge jedoch älter (mobiler!!!) wurden, wurde das zunehmend schwieriger, v.a. weil auch die Landwirtschaft sich im Aufbau befand und viel Einsatz erforderte. Mein Mann spielte mit dem Gedanken in “Karenz” (Elternzeit) zu gehen.
ELTERNZEIT-PHASE
Als unser Jüngster geboren wurde, nahm mein Mann Karenz in Anspruch. Ich arbeitete Teilzeit. Einerseits, weil mein Dienstverhältnis das problemlos mit Familienerfordernissen vereinbaren ließ und andererseits auch, weil die Landwirtschaft – Emanzipation hin oder her – aus meinen (körperlichen) Möglichkeiten betrachtet besser von meinem Mann geschafft wurde. Finanziell war das eine Zeit, die einfach “okay” war. Nicht sehr knapp, aber auch nicht gerade üppig.
NACH DER ELTERNZEIT
Wir arbeiteten beide Teilzeit. Das war die schlimmste Zeit für uns alle. Wir hatten das Gefühl, unser Leben würde sich ausschließlich um Organisation des Alltags und der Kinderbetreuung drehen. Familie, Partnerschaft, Freizeit… gefühlt zumindest nicht vorhanden. Wir spürten, dass das nicht so weitergehen könnte. Lösung fanden wir auf den ersten Blick nicht wirklich. Doch für uns fiel die Entscheidung: einer von uns arbeitet Vollzeit, der andere ist Vollzeit zu Hause. Wer welchen Part übernimmt, hatten wir nicht festgelegt.
JETZT
Dann wurde völlig überraschend die Stelle ausgeschrieben, von der ich immer geträumt hatte. Ich bin unglaublich dankbar und glücklich, dass ich diese Stelle auch bekommen habe. So fügte sich unser momentaner Weg: mein Mann Vollzeit-Vater-Bauer-Hausmann… und ich arbeite Vollzeit mit einem Teil Rufbereitschaft (den ich zu Hause verbringe). Das war zwar eine Umstellung für alle, aber nach einigen Monaten pendelte sich alles gut ein. Jeder weiß, wo seine Aufgabenbereiche liegen und es fühlt sich wie ein gutes Miteinander an. Die Kinder haben verlässliche Ansprechpartner (nicht gestresste, hetzende, völlig fertige… Eltern) und es gibt guten Raum für Familie, Genießen, Partnerschaft… neben all dem, was eben ein Familienalltag am Bauernhof erfordert.
FAZIT
Rückblickend betrachtet staune ich über so manches, was wir irgendwie hingekriegt haben. Und vielleicht bin ich deshalb unglaublich dankbar für das, was wir im Moment leben. In den nächsten Jahren wird sich hier einiges ändern, weil auch mein Mann wieder arbeiten wird außerhalb des Hofes (von der Landwirtschaft können wir so gut wie überhaupt nicht leben, dafür sind wir einfach zu klein und v.a. auf Selbstversorgung ausgerichtet) – aber v.a. solange unsere Kinder keine höheren Schulen besuchen und öffentliche Verkehrsmittel verwenden können (d.h. sie nicht mehr mit dem Auto zu Kindegarten/Volksschule hingefahren und wieder abgeholt werden müssen), ist der Rahmen dessen, der beruflich für meinen Mann möglich ist, sehr eng gesteckt. Wir planen da aber noch nichts. Wenn wir nämlich eines aus den verschiedenen Varianten der “Unvereinbarkeit” *zwinker* gelernt haben, dann das, dass das beste Planen oft überhaupt nicht hilft. Manchmal braucht man einfach ein wenig Zeit, um herauszufinden, was ein guter Weg (für die nächste Zeit) ist.
… UND DIE PENSION???
Diese Frage bekommen wir oft gestellt. Tja, was soll ich dazu sagen? Bei meiner Arbeit erlebe ich täglich Menschen, die ihr Leben lang nur die Pension im Hinterkopf hatten, ihr ganzes Leben nur der Arbeit gewidmet haben, um dann “in der Pension endlich genießen” zu können. Nicht immer geht das Schicksal diesen Weg mit und etwas vom Schwersten im Angesicht von Leid und Krankheit ist, wenn man das Gefühl hat, das Leben “versäumt” zu haben und viele Dinge zu kurz gekommen sind (Familie, Beziehung,…). Natürlich – wir leben in einer Zeit, in der es ganz klare wirtschaftliche Notwendigkeiten gibt. Es braucht auch Versicherungen, es gibt Fixkosten… aber unser Lebensmittelpunkt ist nicht die Arbeit. Wer weiß, ob es – wenn wir dann mal 70 oder 80 ??? – sind (das Pensionsalter wird sicher in den nächsten Jahrzehnten noch in die Höhe geschraubt werden – noch ein Pensionssystem in der Art wie heute gibt? Wer weiß, wie es uns dann geht? Wer weiß, ob wir die Pension erleben? Wir haben unser Alter zwar schon im Blick, aber wir fokussieren jetzt einmal das, was im Moment das Leben erfordert.
MAMA UND VOLLZEIT???
Diese Frage bekomme vor allem ich oft gestellt. Es brauchte eine Zeit, um mich in dieser Rolle gut zurecht zu finden. Für mich steht meine Familie immer an erster Stelle und doch nehme ich meine Arbeit sehr ernst. Während meiner Dienstzeit bin ich sozusagen 100% im Dienst und wenn ich zu Hause bin, bin ich 100% zu Hause. Ich mische die beiden Bereiche nicht. Das ist der Weg, den ich für mich gefunden habe.
UND DIE KINDER???
Ich glaube, den Kindern fehlt es an nichts 🙂
Sicher, sie sehen bei anderen Kindern andere Rollenmodelle. Vor allem aber denke ich, dass sie dankbar sind, dass sie Vater und Mutter haben. Was ihnen große Angst macht ist, wenn sie bei Kindergarten-/Schulfreunden erleben,  deren Eltern sich trennen. Die verschiedenen Arbeitsmodelle unter Eltern bedrücken sie kaum. Jede Familie findet einen eigenen Weg. Dass die Mama “voll arbeitet” ist (in unserer Gegend) ungewöhnlich, das nehmen auch unsere Kinder wahr. Aber es ist einfach so. Sie freuen sich, wenn ich nach Hause komme und natürlich ist es etwas Besonderes, wenn ich Urlaub oder freie Tage habe. Wir sprechen auch über meinen Beruf und ich erzähle ein bisschen von meinem Tag, so wie sie mir von ihrem Tag erzählen bzw. auch mein Mann mir von seinem Tag erzählt. Wir lassen einander teilhaben an den Zeiten, die wir nicht miteinander erleben. Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber wir bleiben im Gespräch und interessiert an einander. Da ist für mich sehr wichtig.
Advertisements

One thought on “[Gastbeitrag] Vier Kinder, Bergbauernhof und alle Varianten

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s