#Blogparade: Darf man heute noch Hausfrau sein?

Eigentlich wollte ich einen Blogartikel über Manuela Schwesigs neusten Vorschlag machen. Die Familienarbeitszeit wird wild im Netz diskutiert und ich hätte viel zu diesem Vorschlag zu sagen. Anderseits sehe ich nicht ein, einen völlig unausgegorenen und mit dem Koalitionspartner nicht einmal abgesprochenen Vorschlag hier auf dem Blog zu kommentieren, denn er ist für mich vor allem eins ist – die Eröffnung des Wahlkampfs aus dem Familienministerium.

Deshalb beschäftige ich mich heute lieber mit der Gruppe von Eltern, für die Frau Schwesig keinerlei Ideen hat und die es in ihrem Universum gar nicht mehr geben dürfte – den Hausfrauen. Sonja, von Sonjas besonderer Welt, hat von mir beinahe unbemerkt zu einer Blogparade aufgerufen und stellt die provokante Frage: Darf man heute noch Hausfrau sein? Genau mein Thema, liebe Sonja und deshalb bekommst du hier meine Antwort:

Sonja schrieb, dass sie auch interessiert, wie die Autorinnen selbst leben. Wer meinen Blog in den letzten Monaten aufmerksam verfolgt hat, der weiß, dass ich bisher keine klassische Hausfrau war – und mich nun auf dem Weg dahin befinde.

Hausfrau – ein Wort das man fast nicht mehr verwenden möchte

Halt, ist das wirklich so? Würde ein Dasein als Hausfrau mich nicht zu sehr auf die heimischen vier Wände reduzieren? Was ist mit meinem ehrenamtlichen Engagement, meiner Bloggerei und Schreiberei? Meiner Ausbildung zur Eltern- und Familienberaterin, die ich demnächst beginne. Nun, fassen wir zusammen, ich bin bald nicht mehr erwerbstätig und werde mich in den nächsten Jahren schwerpunktmäßig um die Bedürfnisse meiner Familie kümmern. Ach was soll das? Nennen wir es doch beim Namen: Ja, ich werde Hausfrau.

Hausfrau sein – das wollte ich nie. Allein das Wort hat lange Zeit dafür gesorgt, dass sich meine Fußnägel kräuseln. Hausfrau, das klingt irgendwie nach Kittelschürze, Fleischwolf und Lockenwicklern. Kein Wunder also, dass wir Frauen, die wir längere Zeit nicht erwerbstätig sind und darüber schreiben, uns im Englischen bedienen, wenn es darum geht, unseren Berufsstand zu beschreiben. Die stay-at-home Mom oder die Homemakerin klingen irgendwie besser – das riecht so ein bisschen nach Apfelkuchen, Kräuterbeet, Blumen im Haar und einem Shop bei Dawanda.

Hausfrau sein als selbstbestimmte Entscheidung

Dieser Lebensentwurf indes hat mich schon zu Zeiten fasziniert, zu denen ich selbst nicht einmal geahnt habe, dass es mal mein Weg werden könnte. Sich heute noch dafür zu entscheiden und selbstbewusst dazu zu stehen, das zeugt von Mut und von der Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Außerdem ist die Gestaltung der eigenen Arbeit um einiges selbstbestimmter, als das Buckeln für anonyme Firmen und Chefetagen.

Ich habe mich viele Jahre meines Lebens als teilnehmende Beobachterin in einem eher linksalternativen Umfeld herumgetrieben. Teils fasziniert, teils ungläubig staunend habe ich in dieser Zeit alle möglichen und auch völlig unmögliche Lebensentwürfe kennengelernt. Sich selbst versorgende Bewohner eines Wagenplatzes, reisende Hippie-Mädchen mit Gitarre, Hut und Gelegenheitsjobs, Aussteiger, die auf den Straßen dieser Welt lebten, gealterte Langzeitstudierende, Hausbesetzer und sogar Menschen, die freiwillig ohne Strom, fließendes Wasser oder Geld lebten, die ihre Ausweise verbrannt hatten und sich witzige Namen wie Tütü, Öfföff oder Frodo gaben und nur hatten, was man ihnen schenkte oder was sie selbst produzieren konnten. Gemein hatten all diese Menschen, das sie gegen den Strom schwammen und die Höher-Schneller-Weiter Ideale unserer Gesellschaft ablehnten.

Das Hippie-Mädchen von damals kann also gar nicht anders, als auch im Lebensentwurf der Hausfrau vor allem eins zu sehen – ein Leben gegen den Strom, eine Alternative zum kalten Wind, der uns Müttern derzeit ins Gesicht bläst. Eine klare Absage an Zwangsoptimierung von Frauen- oder Kinderbiografien. Ein deutliches Ich-mache-mein-Ding. Kurz – einen Lebensentwurf für den es sich noch lohnt, sich nackt anzuketten.

Der Konservativismus als letzter Zufluchtsort der Hausfrau

Einst habe ich mit meinen Freunden von damals gekämpft – für Wagenplätze, gegen Langzeitstudiengebühren, für das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Nichts davon wäre je meine Art zu leben gewesen, aber es war ihre und somit hatten sie eine Berechtigung. Umgekehrt scheint es doch um einiges schwieriger zu sein. Für meine links-feministischen Schwestern von damals bin ich schon längst ein Totalausfall, zu spießig, zu retro, zu sehr Muttchen, zu sehr gefangen im falschen Frauenleben. Statt für meine Art der Selbstbestimmung kämpfen sie für mehr, längere und frühere Kinderbetreuung und gegen meinen Wunsch, meine Kinder länger und öfter bei mir zu haben. Sie wollen für unsere Kinder eine Welt aus Vorschriften, Mauern und Institutionen bauen, die sich für sich selbst so lange abgelehnt hatten.

Verständnis für meinen Entwurf finde ich ausgerechnet beim einstigen Klassenfeind – im konservativen Milieu darf man noch Hausfrau sein – zumindest ein bisschen. Das ist okay, denn neben dem Hippie-Mädchen wohnte in meinem Herzen auch schon immer eine Spießerin. Eine die besetzte Häuser für die anderen wollte und ein eigenes Reihenhaus für sich. Eine, die nicht den ungewaschenen Typ aus der Abrisshütte geheiratet hat, sondern den RCDS-Vorsitzenden. Eine, die schon immer fand und noch findet, dass ein bürgerliches Leben nicht die schlechteste Grundlage ist, Kinder in diese Welt zu geleiten. Eine, die gern Sicherheit und Geborgenheit weitergibt und ein Zuhause schafft und eine die gern weniger Karriere und mehr Kind macht, wenn dies nötig ist.

Darf man heute noch Hausfrau sein? Das Hippie-Mädchen und die Spießerin in meinem Herzen sind sich einig: Natürlich darf man das – und wir finden es super!

 

 

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2 thoughts on “#Blogparade: Darf man heute noch Hausfrau sein?

  1. Frauen, die für das Recht für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen, stören sich zurecht daran, dass die Hausfrau gesellschaftlich so geächtet wird. Ich stimme Dir vollkommen zu: Heute muss man sehr unabhängig und mutig sein, um sich zu trauen, “nur” Hausfrau zu sein. Ich gratuliere jeder Frau zu dieser mutigen Entscheidung. Ich weiß, dass das Arbeiten, mein Teilzeit-Job, meiner Familie schadet. Ich spüre, dass das an unser aller Bedürfnissen vorbeigeht.

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  2. Ja. Und eine Hausfrau zu sein, das ist mittlerweile ja schon geradezu ein revolutionärer Ansatz. Nicht nur, dass man damit die Heilige Kuh Fremdbetreuung von Kleinstkindern schlachtet – frau entzieht sich – autsch – Unser Aller Sinnstiftungsmaschine Nummer Eins, der Erwerbstätigkeit, insbesondere der Karriere, und schickt dem Consumerism eine laute, deutliche Absage ins Haus. Denn die Hausfrau hat nicht die Kohle, um der Wirtschaft beim Wachsen zu helfen. Im Gegenteil! Die Hausfrau kann sich tatsächlich dem Markt entziehen, indem sie einen Garten pflegt, Dinge repariert oder umarbeitet, den Zitronenkuchen selber backt, statt ihn einzukaufen…die Hausfrau ist, recht besehen, ein recht verdächtiges Geschöpf in einer marktkonformen Demokratie.

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